Sündern vergibt vielleicht Gott

Sündern vergibt vielleicht Gott

Kurzessay                                                                                                     Friedrich Treber

 

Es ist Sonntagmorgen, der 26. 09. 2010. Genüßlich schlürfe ich meinen Kaffee. Plötzlich fällt mir die Tasse fast aus der Hand. Was habe ich da geschrien? Ja, das: „Sind die denn alle besoffen?“

Mühselig kriege ich noch zusammen, daß der Nachrichtensprecher des SWR2 –jetzt schon bei einer anderen Sequenz- eben erzählt hat, im wichtigsten australischen Kohlehafen hätten Umweltaktivisten stundenlang alle Arbeiten verhindert. Australien erzeuge fast seine ganze elektrische Energie aus Kohle und sei damit „einer der größten Klimasünder.“

Klimasünder, dieses Wort hat mich aus der Fassung gebracht.

Wikipedia bestätigt: Australien gewinnt 80% seines Stroms aus Kohlekraftwerken, und es wird ohne die gebotene lexikalische Sachlichkeit angefügt, daß Australien durch den hohen Ausstoß an Treibhausgasen zur globalen Erwärmung beitrage.

Nicht erst seit „Climagate“ weiß man, auf welch wackeligen Füßen die Lehre von der menschenverursachten Erderwärmung durch CO2 steht. Den bekannten Gegenargumenten sei hier nur angefügt, daß nach biologischer Auffassung die Verbrennung fossiler Brennstoffe dem CO2-Haushalt von Erde, Luft und Meeren gerade mal zwischen 3 und 4 Prozent hinzufügt.

Und was ist denn schon „Wissenschaft“?

Während meiner Lehrerlaufbahn hatte ich viele Geschichtsbücher in der Hand. Da entstand oft der Eindruck, ein gewisser Alois Schickelgruber, sattsam bekannt als Adolf Hitler, habe die Rassenlehre erfunden. Zu viel der Ehre! Hat er natürlich nicht. Als er diese Rassenlehre benutzte, galt sie als Wissenschaft, und der eine oder andere derer, die diese Wissenschaft vertraten, behielt seine Professur auch noch in der neuen Bundesrepublik.

Für mich persönlich ist das Thema „anthropogene Klimaerwärmung“ längst abgehakt. Aber daß es sich auch in den Köpfen der Macher von Wikipedia schon festgesetzt hat, zeigt wie weltbewegend sich die Dauerberieselung durch Politik und Medien auswirkt.

Was mich aber so aufgeregt hatte, war der Begriff „Sünder“.

„Sünde ist jeder Ungehorsam gegen Gottes heiliges Gebot.“ So definierte Martin Luther in seinem Katechismus. Halten wir mal fest, Sünder verstoßen also gegen etwas Heiliges. (Oder Geheiligtes)

Betrachtet man aber diese Gebote, so beginnen sie alle mit „Du sollst …“ hören sich also recht freundlich an. So nach: Du sollst, aber weil du Mensch bist, kannst du auch anders.

Von Strafen ist da nur die Rede, wo es um die Unterlassung der Anfertigung von Gottesbildern und des Namensmißbrauchs geht. Lediglich bei einem der restlichen werden mögliche Folgen des Unterlassens erwähnt, und das ist sogar -pädagogisch perfekt- noch positiv ausgedrückt:

 

„Ehre deinen Vater und deine Mutter, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben will.“

 

Es ist auch bei uns noch nicht allzu lange her, daß Schutz und Pflege im geschwächten Greisenalter nicht von staatlichen Einrichtungen und Versicherungen abhingen, sondern den Nachkommen oblagen. Und Kinder lernen am meisten durch Beispiel, wissen wir seit Pestalozzi.

Wie man weiß, wurden biblische Inhalte, lange bevor sie aufgeschrieben wurden, mündlich überliefert. So könnten die Strafen von späteren Redaktoren hinzugefügt worden sein.

Andererseits bedeuteten die zehn Gebote dem Volk Israel auch einen Bund mit Gott. Solange die Gebote gehalten wurden, war der göttliche Schutz sicher. Da ist es verständlich, daß Fehlverhalten Gott gegenüber unter Strafe stand.

Für das Verhalten der Menschen untereinander steht aber lediglich ein „Du sollst …“

 

Beispiel: „Du sollst nicht ehebrechen!“ Du sollt, aber du kannst auch anders. Überlege Dir aber, daß du damit deine Ehe gefährdest, die das Dach über den Köpfen deiner Kinder ist, anderen Schmerz zufügen kannst, und Unruhe in die Gemeinschaft bringst.

So weit, so gut. Aber dann steht im 3. Buch Mose, Vers 10: „Wenn einer mit dem Weibe seines Nächsten Ehebruch begeht, so sollen beide, der Ehebrecher und die Ehebrecherin getötet werden.“ Da solche Todesstrafen durch Steinigung vollzogen wurden, ist hier das Wort zu Stein geworden.

Das sind dann doch ganz neue Töne, aber es kommt noch toller: Wenn Gott in seiner Allweisheit etwas gegen Schwule gehabt hätte, so hätte er dies doch sicher bei der Gesetzgebung Mose zu verstehen gegeben. Fehlanzeige! Nun steht aber ebenda, Vers 13: „Wenn einer beim Manne liegt, wie man bei einem Weibe liegt, so haben beide einen Greuel verübt. Sie sollen getötet werden; ihr Blut komme über sie!“

Was Gott ursprünglich nicht mal mit einem „Du sollst nicht“ versehen hatte, wird hier –natürlich in seinem Namen- zur Sünde erklärt und unter Todesstrafe gestellt.

Was mag dahinterstecken?

Wer sagte wem, unter welchen Umständen und mit welcher Absicht was?

Die zusammenhängendste Fassung des alttestamentlichen Kanons, die Priesterschrift, wurde während der Babylonischen Gefangenschaft verfaßt. Um Unruhen in den eroberten Gebieten vorzubeugen hatten die Babylonier vor Allem Mitglieder der Führungsschicht Israels deportiert. Im eigenen Land waren die kontrollierbar, und man nutzte die Zwangsmigranten auch als Ressource: Jeder Israelit konnte in Führungspositionen des babylonischen Reiches aufsteigen. Stillschweigende Voraussetzung dafür war, daß er die Religion des Landes annahm.

Die israelitische Priesterkaste konnte einerseits der Gedanke bewegen, daß Niederlage und Entführung schon von Gott geduldet wurden, weil die Gebote nicht hinreichend eingehalten worden waren, und nun durch die Annahme anderer Götter neben Gott, Rückkehr und Wiederaufbau des Reiches Davids von diesem zumindest verzögert werden würden. Andererseits war ja deutlich zu sehen, daß auf diesem Wege Ansehen, Macht und Einkommen immer weiter schrumpfen würden.

Gott zu versöhnen, dafür hätte es doch genügt, den ursprünglichen Geboten mehr Geltung zu verschaffen.

Daß aber nun diese Priester den allweisen Gott, dem sie ja ihre besondere Stellung verdankten, wie einen verschrobenen älteren Herrn aussehen ließen, der nicht auf einmal und für immer gültig sagen konnte, was nicht sein sollte, sondern - wie die deutsche Rechtschreibkommission - einen ganzen Flickenteppich von Nachbesserungen zusammenstückeln mußte, dazu trieb sie bestimmt die Machtgier.

Greife eine Minderheit an, demonstriere an ihr deine Macht, die Unterstützung des Mobs ist dir sicher, und viele werden sich fragen, ob sie nicht als nächste dran sein könnten.

Warum ausgerechnet die Schwulen? Möglicher weise begann auch in Babylon die Karriere so manches Mannes im Bett eines Mannes.

Wem das Wort Sünder angehängt wurde, der muß mit Allem rechnen.

Die herrschende politische Kaste hat den Kampf gegen den Klimawandel, von dem man nicht mal weiß ob es ihn überhaupt gibt, wie Vaclav Klaus in seinem Buch „Blauer Planet in grünen Fesseln“ darlegt, für „heilig“ erklärt, und schon Heiliges in Frage zu stellen ist Sünde. Vaclav Klaus wurde auch als „Europa-Skeptiker“ von der deutschen Presse als notorischer Querulant dargestellt. Meines Wissens hat er sich nie gegen Europa und dessen mögliche Einigung sondern nur gegen die EU geäußert.

Europa hat unter anderem das Imperium Romanum, das Heilige Römische Reich, Hunnen und Mongolen überstanden, und wird noch Europa sein, wenn die EU längst Geschichte ist. So ist auch „Fällt der Euro, dann fällt Europa!“ nur eine hohle Sprechblase, also eine typische Merkelei. Aber dahinter steht: Wenn du gegen die EU bist, dann bist du ein Hirnverbrannter oder gar Nationalist, willst Krieg und verdienst, daß man dich ausgrenzt.

 

Erst recht keine Gnade gibt es für die tätigen Klimasünder. Wann wird man von Australien Geld für seine „Sünde“ verlangen? Nun, spätestens dann, wenn es sich einer Minderheitenrolle befinden wird. In einer Pressemeldung zum Thema wurde diesem Land sogar schon vorgeworfen, es gefährde die Umwelt durch seine Kohleexporte. Also, auch wenn Andere diese Kohle verbrennen, ist Australien schuld.

Die Steine sind gesammelt, wann werden sie fliegen?

Aufrufe zur Steinigung gibt es ja schon. Z.B. schrieb George Monbiot, Kommentator der Tageszeitung „The Guardian“ ebenda am 5. 12. 2006: „Wann auch immer jemand in Bangladesch als Folge von Überflutungen ums Leben kommt, sollte einer der Chefs einer Fluggesellschaft aus seinem Büro herausgezerrt und ertränkt werden.“

Wie oft in der Geschichte glaubte man schon, daß Worten keine Taten folgen würden?

Zum Bild wurden die Worte bereits als am 01. 10. 2010, als die britische Abteilung der Klimakampagne „10:10“ einen Werbefilm präsentierte, in dem Menschen, die sich der Kampagne nicht anschließen, samt Kindern gesprengt werden. Es sollen da Blut und Fleischstücke herumspritzen. Der Film wurde zwar am selben Tag wieder zurückgezogen, aber die Bilder sind in der Welt.

Was Kanzlerin Gänseliesel, die heilige Johanna der Klimarettungsbewegung, dazu meint, habe ich noch nicht mitbekommen. Natürlich wird sie so etwas und ablehnen und bedauern. Aber ihren Weg wird sie weitergehen. Dem Beispiel ihres Küßchenbruders, Präsident Zwerggockel, folgend, wird dieser zu einer Position führen, die ihr auch noch Macht, Medienpräsenz und sattes Einkommen sichern wird, wenn sie es sich längst mit der Mitte der mittelmäßigsten deutschen Wähler verdorben haben wird. Denn wer sollte denn außer ihr die Weltklimaregierung anführen, die sie ebenso vehement fordert wie Sarkozy die europäische Finanzregierung?

Und wenn erst einmal in den so geduldigen Geschichtsbüchern steht, Angie, die Größte, habe die Welt gerettet, dann wird niemand mehr fragen, ob die Welt das je nötig gehabt hätte.

Wie viele „Klimasünder“ dabei aus dem Weg geräumt werden müssen und auf welche Weise, das werden wir noch sehen.

„Die Rechtfertigung besteht darin, daß mir der Vater in Jesus Christus alle meine Sünden vergibt und durch den Heiligen Geist mich seiner Gnade gewiß macht.“ schrieb einst Martin Luther, der deutsche Grübler.

Aber der Gott, den die Bibel verkündet, hat die unendliche Geduld, weil er unendlich ist. Wir Menschen sind dagegen beschränkt, Ideologen etwas mehr, und Klimaideologen bilden da keine Ausnahme

 

   
© Friedrich Treber