Alter Poet

Alter Poet

Ach, alter Poet, neue Verse

von Klagen schwer humpeln daher.

Dein Marktwert ist hält Kurs steil nach oben.

Sag, was also grämt dich so sehr?

Für späte, freiwillige Wahrheit

hat dich Kritik nun ereilt.

Hast du –wo Andre betroffen-

zu Zeiten nicht selbst ausgeteilt?

 

Ihr Zeitzeugen solltet uns helfen,

die Schrecken der Zeit zu verstehn.

Doch dient euer Dichten und Trachten

Dem Zweck sehr, selbst gut dazustehn.

 

Daß Runensoldat du geworden,

was  heut ruft Erregung hervor,

fiel dir nicht auf in dem Schreiben,

mit dem dich das Wehramt lud vor.

So leicht also rutschte man rein in

die Truppe mit teuflischem Ruf.

Ich dachte, Adepten hätt’ müssen

gewachsen sein Horn schon und Huf.

 

Im Hauptstrom der Meinung, der damals,

selbst Kinder dem Gas zugespült,

hat sich durch die Runen am Kragen

kaum jemand geschändet gefühlt.

 

Als Glaube, Traum, Lügen zerronnen,

auf Neues sollt gehen es hin,

der Meinungsstrom hatte gewendet

mit perfekter Schwarmdisziplin:

Wer böse und schuldig trug Zeichen!

Da war Schwarz und Weiß sonnenklar.

Du hätt’st können sagen nicht müssen,

wie es in deinem Fall war.

 

Du hast –wie wohl damals die Meisten-

dich tief in den Hauptstrom geduckt.

Das war keine Lüge nur Schweigen.

Doch wer hätt dich sonst auch gedruckt?

 

Kann leider durchs Milchglas der Medien,

als public relict dich nur sehn.

Weiß auch nicht, was ich getan hätte,

doch du halfst  mir nie, zu verstehn!

 

zurück

   
© Friedrich Treber