Von der anderen Seite

Winterabend

Winterabend

Des Himmels schwarzes Halbrund sank

Wie sich ein Ascheneimerdeckel schließt.

Der Sonne letztes Farbenspiel ertrank.

Ein eis’ger Strom die Luft durchfließt.

Steinwände um dich, die Läden hak ein,

Lass Eis und die Schwärze von draußen nicht rein!

 

Heizkörper Warmluft  konvertiert.

Glühlampe schießt Photonen, quantet Licht!

Wie kommt es, dass dich drinnen trotzdem friert?

Schwarzes Gespinst den Kopf durchflicht.

Helligkeit, Wärme schafft Technik um dich,

und doch schreit das Kind in dir: „Heimat will ich!“

 

Nach Reife streben, lehrt man mich,

wann stellt sich diese aber endlich ein?

Ein reifer Mensch trägt Heimat mit in sich.

Ein Kind  darf man nicht lassen schrein!

Eia popeia, nun lach Kind in mir!

Was Eis? Und was Schwärze? `S gibt Tabak und Bier!

 

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Unterschlagung

Unterschlagung

Des Frühlings erster Schmetterling

auf meiner Hand,

ein tiefer Wunsch: Ihn zeigen dir!

 

mit dir zu teilen jedes Ding

aus meiner Welt,

das Freude schwingen läßt in mir.

 

Wo Leben andres Leben streift,

bleibt Rücksicht üben Pflicht.

So füg ich leise brummend mich darein:

Will ich dir wahrhaft wohl, erfährst du's nicht!

Schwanenlicht

Schwanenlicht

Durch Wasser, rätseltief und dumpf,

der Nebel drüber frißt den Tag,

sucht gierig fragend hast'ger Ruderschlag

ein Ufer, eine Stelle ohne Sumpf.

 

Und da, als bräch', wenn auch noch von sehr weit,

ein Sonnenstrahl sich einzeln Bahn,

zieht gleichen Weg's mit mir ein junger Schwan,

und unsre Wellen spielen ineinander kurze  Zeit.

 

Entwachsen seinem Frühlingsflaum nicht ganz,

hebt ihn schon jede Linie über das Gemeine.

Bald spiegeln seine Federn Sommers  Glanz.

 

Sein Sommer, wird es sein und nicht der Deine!

Beug dich und rud're, sahst du doch ein Licht!

Freu dich des Wegsterns, Stein ins Boot nimm nicht!

 

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Tresensteher

Tresensteher

Dort erlischt ein Kneipenlicht.

Wechsle mal die Straßenseiten!

Angenehme Menschen nicht

Bis zuletzt am Tresen stehen.

Was denn? Keiner grölt und lacht?

Schonend Andrer Schlafenszeiten,

sagt im Auseinandergehen

man sich leise gute Nacht.

 

Einer seitlich vor mir geht.

Überm nerzbewärmten Kragen

Grauhaar lang im Winde weht,

Borsalinohut darüber,

nur, wer es sich leisten kann,

wird  so teure Sachen tragen!

Bierdunst weht zu mir herüber.

Was  treibt um wohl diesen Mann?

 

Trunkenheit zeigt nicht sein Gang,

Schritt um Schritt wohl abgemessen.

Neuer Schuhe harten Klang

wirft zurück der Wände Spiegel

durch die lautsensible Nacht.

Leis’ klingt durch das Zögern dessen,

der hingeht, wo Schloß und Riegel,

 

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Möwen hinter dem Dorschboot

Möwen hinter dem Dorschboot

Letzte Fangzeit ausgeläutet.

Dorschboot, hafenwärts den Kiel!

Jagderleben hat's bedeutet

Freizeitfischern, frei von Not,

Fangen, Töten fast nur Spiel.

 

Beute säubert man von allen

Teilen Mensch' nicht zum Verzehr.

Erster Bauchschnitt - und schon fallen

Möwen schreiend aus dem Himmel,

wo die Luft noch eben leer.

 

Weit gesperrt die Schnabelzangen

rudern hinterm Heck sie her,

Weggeworf'nes aufzufangen:

Kopf, Herz, Leber, Därme, Blasen

zwischen Reling und dem Meer.

 

Hälse, würgend, fast zerspringen.

Brocken, der zu groß, versinkt.

Schnäbel, zwei, ein Darmstück fingen

prall von Kot, wird weggerissen,

bis ein Sieger es verschlingt.

 

Kleine sind leer ausgegangen.

Deck geschrubbt, es gibt nichts mehr!

Jammerschrei noch voll Verlangen.

Hunger treibt zu neuer Suche.

Hinterm Heck die Luft ist leer.

 

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© Friedrich Treber