Zahlen ohne Bilder

Zahlen ohne Bilder

Sollt’ Mensch auf einem Bogen Din A4

errechnen ganzer Völker Tod und Qualen,

nichts Andres würd’ er sehn auf dem Papier

als lebensferne, formelhör’ge Zahlen.

 

Gar pfeifend träumt’ von Liebe er, von Bier.

Würd’ auf der Uhr den Feierabend suchen.

Die Feder hört’ er kratzen das Papier,

kein Opfer weinen, beten oder fluchen.

 

Wär’n schreiend rot die Zahlen aufgeführt,

er säh’ beim Rechnen weder Blut noch Leichen.

Des Mitleids Wurzeln bleiben ungerührt,

wenn Wirklichkeit vor uns geschrumpft in Zeichen.

 

Gar appetitlich, wie beim Bildschirmspiel,

sehn Wirkung ihrer Bomben die Piloten.

Symbole unterschlagen, wer im Ziel-

gebiet verwaist, verkrüppelt, bei den Toten.

 

In sichrem Abstand von dem Ort der Qual

kann Federstrich und Knopfdruck wohl geschehen.

Und blutleer steht das Wort „kollateral“

für Opfer, die es traf nur aus Versehen.

 

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© Friedrich Treber