Fremde Frau

Fremde Frau

Gedanken beißen manchmal, davor sucht' ich Ruh

und soff mich runter auf's Niveau der Kneipe zu.

Die Augen schlingerten, im Dunst glitt aus der Blick

und kam von Thekenstrandgutsfratzen leer zurück.

Der Nebel riß, und meine Augen blieben steh'n:

Was hier ins Bild nicht paßte, du warst da zu seh'n.

 

Du weißt, dich anzusehn, begeistert einen Mann.

Allein, das schlug mich nicht wie eine Saite an.

Du strahltest durch die Öde klar und warm, ein Stern,

und etwas davon hielt die Typen um dich fern.

Wohl zog ich meinen Blick zurück auf mein Glas Bier,

doch flatterten Gedanken wieder hin zu dir.

 

Es wären wenig Schritte nur gewesen hin zu dir

und dich zu fragen: Trinkst du nen Kaffee mit mir?

In einer stillen Ecke, wo uns niemand stört.

Magst du Gedichte, hast du Dylan schon gehört?

Vielleicht hätt' ich ein Märchen neu für dich erfunden,

denn Phantasie erwärmt auch hohle Kneipenstunden.

 

Vom Suff Gedanken unter nasse Flügel krochen.

Die Grenze zwischen uns blieb Schweigen ungebrochen.

Was man so denkt, sprichst du nur mit dem fremden Mann?

Du weißt's, das Weichen deiner Augen zeigt es an.

Es sind nicht unterlass'ne Schritte, die uns trennen.

Wer lehrt und schlecht zu denken, ohne uns zu kennen?

 

Vom Bier getrübte Augen können irre geh'n.

Sah ich dich, fremde Frau, wie dich auch andre sehn?

Warst du in meiner innern Wüste nur Vision?

Wie siehst du dich, wer kennt sich selber schon?

Für mich warst du ein Stern, ich hätt' dir's gern gesagt.

Nur ein paar Schritte, warum hab' ich's nicht gewagt?

 

Refrain: Ich wollte mit dir reden, fremde Frau.

Wie ich dich sah, kennst du vielleicht dich selber nicht.

Das Lauern fremder Augen setzt um uns Verhau

mit Stacheln dran, die heißen: Tut man nicht!

 

zurück

   
© Friedrich Treber