Das euch die Menschen tun sollen

Das euch die Menschen tun sollen

Der nasse Wintermorgen räuspert graues Licht.

Ein Mädchen, noch im Wachsen, bei erster Tagespflicht:

Den Gang zum Kindergarten. Viel Zorn in jedem Schritt!

Zerrt ohne hinzusehen den kleinen Bruder mit.

 

Die kurzen Beinchen halten nicht mit der Schwester Lauf.

Er strauchelt, kommt ins Stolpern, die Treppe dann hinauf

streift er den Stein der Stufen zweimal mit dem Gesicht,

bleibt still, weint keine Träne, weiß längst: Das hilft doch nicht.

 

Das Steingesicht der Schwester erzählt: Ihr gab man nie,

was ihrem kleinen Bruder jetzt geben sollte sie.

Für ihren Walkman hat sie sich Lieder ausgewählt,

worin ganz traumverloren von Liebe wird erzählt.

 

Wie soll, wen selber hungert, für andre haben Brot?

Manch’ Korn wächst in den Träumen aus eigner Seele Not.

Wer, wonach Träume greifen, an Andre geben kann,

schlägt einer Leidenskette den Schlangenkopf ab dann.

 

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© Friedrich Treber