Bilder einer bayerischen Malers

Die Farben fingen eines Wimpernschlages Zeit

vom Leben Bruder Baums in jedem Bild

so eingesponnen in des Lebens Kampf,

daß wir, befangen im vom Leben Traum,

im Baum den Bruder nicht erkennen wollen.

 

Des Wachstums unbegriff'ne Kraft stemmt jeder

dem Druck des Winds entgegen, der

ermüdend unermüdlich wiederkommend,

nach oben Strebendes zu Boden beugen will.

Und alle unvollkomm'ne Form trägt seine Spur.

 

Nur Masse Gleichgewachs'ner böte Schutz.

Hier ließ der Zahn der Zeit, geschärft von allem,

was Leben aushebt aus der Ewigkeit,

verdorren einen Arm noch vor der Zeit,

dort ragt aus grünen Gliedern toter Rumpf

 

zu Wolken, windgetrieben, reitend Wind,

selbst in der Ruhe Augenblick zur Lösung frei,

nie Dauer suchend in erhalt'ner Form,

und immer wieder Licht ein Fenster lassend,

das letzter Klarheit doch verhangen bleibt.

 

Der Erde Reich, das Wurzeln trägt, von Wurzeln selbst gehalten,

hält pinselführ'nder Geist dem Himmel gleich verborgen

bedeckt von Gras verblaßt nur selten lockend grün.

Geheimnis, flüchtig nur erahnt bleibt Urgrund,

draus Kraft zu Form und Widerstand und Wachstum kommt.

 

Kraft saugend aus den Wurzeln nur erahnt,

strebt Lebendes, verformt von Widrigkeiten,

nach unerkannten Höhen, deren Licht

Geformtem nur verhangen sichtbar bleibt.

 

   
© Friedrich Treber